Vorbemerkung: Dies ist keine offizielle Beschreibung der erwähnten Anbieter, sondern stellt die Sicht der Autoren dar.
CATIA V4
CATIA V4 ist das traditionelle PLM-Produkt von Dassault und IBM. Haupteinsatzgebiet ist die Entwicklung komplexer Produkte, wie z.B. Fahr- und Flugzeuge aller Art, Schiffe, Konsumgüter usw.
Die Weiterentwicklung von CATIA V4 wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends eingestellt. Es wird jedoch noch vertrieben und gewartet. Die Nachfolger sind CATIA V5 sowie verschiedene ENOVIA-Produkte. Diese sind vollständige Neuentwicklungen auf Basis einer neuen Technologie, so dass die V4-Anwender eine mehr oder weniger aufwendige Migration durchführen müssen.
Hardware
CATIA V4 ist ausschließlich auf folgenden Unix-Hardwareplattformen von IBM, SUN, HP und SGI lauffähig. Linux wird nicht unterstützt.
IBM RS/6000 und pSeries |
SUN |
HP 9000 |
SGI Octane, Fuel, O2 |
Benötigt wird ferner eine leistungsfähige Grafikkarte, ausreichend Memory (0,5 bis 2 GByte) und Festplattenplatz (ab 9 GByte). Beim Betriebssystem sind teilweise bestimmte Zusätze erforderlich. Zu jedem Release gibt es hierzu eine exakte Spezifikation.
Module
Es existieren etwa 120 Einzelmodule ("Produkte"), die einzeln verfügbar sind oder zu Basispaketen ("Konfigurationen") oder Zusatzpaketen ("add-on-Konfigurationen") zusammengefasst sein können.
Die gebräuchlichsten Module sind:
ASU | Advanced Surface Design | erweiterte Flächenkonstruktion |
COM | CATIA Object Manager | Basis-Modul für andere Module |
DR2 | 2D Wireframe & Annotation | 2D Drahtmodell und Zeichnungstext |
DRA | Drafting | Bemaßung |
DRS | Draw-Space Integration | 2D-Zeichnungsableitung aus 3D-Daten |
DXF | DXF/DWG-Interface | Schnittstelle zu AutoCAD-Formaten |
FRF | Free Form Design | erweiterte Flächenkonstruktion |
IGS | IGES Integrated Interface | IGES-Schnittstelle |
KIN | Kinematics | Bewegungssimulation |
LIB | Library | Teile-Bibliotheken |
N4D | 4D Navigator | DMU-Analysen |
SOE | Solid Exact | Festkörper-Modellierung |
SPA | Space Analysis | Kollisionsuntersuchung |
ST1 | STEP AP214 Interface | STEP-Schnittstelle für AP214 |
STL | Rapid Prototyping | STL-Ausgabe |
SUD | Surface Design | Basis-Flächen |
WF3 | 3D Wirframe | Drahtmodell |
Gelegentlich kommen auch folgende Module zum Einsatz:
BWT | Body in White Templates | Karosseriekonstruktion |
DEV | Develop | Flächenabwicklung |
FDT | Functional Dim. & Tolerancing | 3D-Toleranzangaben |
GPS | Generative Part Stress Analysis | Festigkeitberechnung (FEM) |
GSD | Global Shape Deformation | Flächenüberbiegungen (Bombieren) |
GSM | Generative Shape Modeller | assozitive Flächenkonstruktion |
MAD | Mold & Die Maching Assistant | automatisierte 3-Achs-NC-Programmierung |
NCB | Manufacturing Infrastructure | Basis-Modul für alle NC-Module |
PMP | Prismatic Machining Programmer | prismatische NC-Programmierung |
SHE | Sheetmetal | Blechkonstruktion |
SMP | Surface Machining Programmer | 3-achsige NC-Programmierung |
SOM | Solid Mockup | facettierte Solid-Modellierung |
TSA | Tool Shop Assistant | NC-Postprocessing |
VST | Visualization Studio | fotorealistische Darstellungen |
In gängigen Paketen enthalten, aber selten in Anwendung sind:
ASS | Assembly Modelling |
DYS | Dynamic Sketcher |
FEA | Feature-Based Design |
PA3 | 3d Parametric Variational Modeller |
Pakete ("Konfigurationen")
Grundsätzlich kann ein lauffähiges V4-System aus Einzelmodulen zusammengestellt werden, wobei immer das Basismodul COM enthalten sein muss und zu berücksichtigen ist, dass manche Module bestimmte andere Module voraussetzen. Aus Kosten- und Aufwandsgründen ist es im Regelfall vorteilhaft, Pakete aus Einzelmodulen einzusetzen. Dabei werden Basis- und Zusatzpakete unterschieden.
Die üblichen Basispakete im Konstruktionsbereich sind:
DRP | (Drawing Production) 2D-Zeichnungserstellung |
DWD | (Downstream Detailing) Zeichnungsableitung aus 3D und 2D-Zeichnungserstellung |
SBD/SB5 | (Solid-Based Part Design and Detailing) wie DWD, zusätzlich Draht- und Festkörpermodellierung |
ADD/AD5 | (Advanced Part Design and Detailing) wie SBD/SB5, zusätzlich Flächenmodellierung |
ASH | (Shape Design and Detailing) wie DWD, zusätzlich Flächenmodellierung |
Die Pakete SB5 und AD5 enthalten zusätzlich z.B. das IGES-Interface und lassen sich vorteilhaft nach CATIA V5 migrieren.
Die häufigsten Zusatzpakete sind:
SUR | (Surface Modeller) erweitert z.B. SBD/SB5 um Flächenfunktionalität |
SOL | (Solid Modeller) erweitert z.B. DWD oder ASH um Festkörpermodellierung |
TOM | (Tool Machining) erweitert z.B. ADD um NC-Programmierung |
Insgesamt sind 44 Basis- und 12 Zusatzpakete verfügbar.
Lizenzmanagement
Für jedes lizenzierte Modul erhält der Anwender einen Softwareschlüssel, der sowohl lokal auf einem Rechner installiert sein kann ("nodelocked") oder von einem mitgelieferten Lizenzmanager (LUM) verwaltet wird ("concurrent"). Zusatzmodule oder -pakete, die vom Lizenzmanager verwaltet werden, können vom Anwender grundsätzlich dynamisch in eine laufende Arbeitssitzung hinzugenommen oder wieder freigegeben werden.
Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Freecall: 0800-CATIAV6 (2284286).